Rotwildfreie Zonen - Wald vor Wild?

Kategorie: MEINUNG
Erstellt am Dienstag, 09. Februar 2016 Geschrieben von Manuel Dörfler

MEINUNG - In diesem Beitrag äußert sich unser Redakteur Manuel Dörfler zum Thema »rotwildfreie Zonen«: Warum ist der König der Wälder in den größten Teilen Deutschlands ungeliebt, ja vielerorts sogar seines Territoriums beraubt worden?
Der Staat, Forstwirte und Waldbauern sehen zumeist im Rotwild einen vermeintlichen »Schädling«, der ihre Baumbestände durch Schälung und Verbiss gefährdet. »Wald vor Wild«, dieses Leitmotiv hat sich der Staat auf seine Fahnen geschrieben. Die bereits erwähnten Forstwirte und Waldbauern, sowie die Holzindustrie haben diesen, hierzulande prägenden Grundsatz, fast aus-schließlich mit Kusshand begrüßt.

Das Rotwild bewohnte einst weitläufige, offene Landschaften und unternahm ausgedehnte Wanderungen zwischen ihren Sommer- und Wintereinständen. Diese instinktive Handlung war der Garant für vitale Rotwildpopulationen. Denn nur so konnte eine gesunde Genvermischung gewährleistet und eine Genverarmung verhindert werden. 
Ursprünglich war dieses Wild tagaktiv. Aufgrund des hohen Freizeit- und Jagddrucks passten sich die Paarhufer den Gegebenheiten an, wurden immer heimlicher, verlagerten ihre Nahrungsaufnahme überwiegend in den Schutz der Dunkelheit und zogen sich vornehmlich in die Wälder zurück. Dort richteten sie logischerweise größere Schäden an, als in der Vergangenheit. Also wurden abgegrenzte Rotwildgebiete durch die jeweiligen Bundesländer festgesetzt, in welchen dem Hochwild ein Recht auf Leben zugesprochen wird. Diese machen gerade einmal 15 Prozent der Fläche des Bundesgebiets aus. Bedenkt man die eben erwähnte, ursprüngliche Verhaltensweise des Rotwildes, kann man sich vorstellen, wie sich dieses fühlen muss... Streckt der Wiederkäuer das Haupt über die durch Rechtsverordnungen autorisierten Rotwildgebiete hinaus, knallt es.
Die Jäger haben die gesetzliche Verpflichtung, Rotwild in »rotwildfreien Gebieten« zu schießen. Diese behördlich ausgewiesenen Gebiete sind rotwildfrei zu halten. Mich persönlich erinnert diese Vorgehensweise stark daran, wie man seinerzeit mit den Ureinwohnern Amerikas, den Indianern umging. Diesen wurden ebenfalls Lebensräume weggenommen um sie anschließend in sogenannte Reservate zu verweisen. War/ist das in Ordnung? NEIN!

Mit welchem Recht entscheidet der Mensch darüber, wo Wildtiere leben dürfen und wo nicht? Wieder einmal läuft der schnöde Mammon der Holzindustrie, der Staatsforsten, der Forstwirte und Waldbauern dem Artenreichtum und unser aller Verantwortung gegenüber der Schöpfung den Rang ab. Traurig, aber das ist die Wahrheit.
Angenommen man würde dieses majestätische Wild in Deutschland ziehen lassen, wie es seinem Naturell entspricht, so bin ich mir sicher, dass sich die Natur, nicht zuletzt aufgrund der Rückkehr von Luchs und Wolf, nach und nach selbst regulieren würde. Keine Sorge, wir Jäger würden dadurch mit Sicherheit nicht unsere »Daseinsberechtigung« verlieren. Mit unseren mannigfachen Aufgaben dürfen und müssen wir auch weiterhin der Natur unter die Arme greifen.

Ich persönlich würde ein Umdenken begrüßen, die Rotwildrichtlinien überarbeiten und die »rotwildfreien Zonen« der grauen Vergangenheit angehören lassen!

Der König der Wälder soll sich bei uns frei bewegen dürfen...


Ein Kommentar von »Manuel Dörfler« (Jäger, Angler, Naturbursche)


Fotos: © Pixelio.de
Kurt Bouda (Rotwild am Waldrand)
Uwe Kunze (Rotwild am Fluss)
Peter Fenge (Rotwild im Wald)

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