MEINUNG: »Catch and Release« beim Angeln

Kategorie: MEINUNG
Erstellt am Montag, 18. April 2016 Geschrieben von Manuel Dörfler

Unser Redakteur Manuel Dörfler, ein begeisterter Angler, hat mal wieder zur Tastatur gegriffen und schildert im folgenden Meinungsartikel seine Sichtweise zum Thema "Catch & Release": Im Jahr 2015 wollten wir in unserer Rubrik "Recht oder Schlecht" von Euch wissen, wie ihr über das "Catch and Release" beim Angeln denkt. Bereits damals sorgte diese Thematik bundesweit für regen Diskussionsstoff. Daran hat sich bis heute nichts geändert. In zahlreichen, oft hitzigen Gesprächen mit Petrijüngern konnte ich erkennen, welche Brisanz diese Materie beinhaltet.
Im Netz las ich u.a. auf einer einschlägigen Catch&Release-Homepage die Meinung, "dass ein pflichtbewusster und moderner Angler selbst über das Schicksal eines gefangenen Fisches entscheiden sollte..." Also Willkür und persönliches Ermessen sollen an den Gewässern über das Fangen und Zurücksetzen der Fische entscheiden.
Obwohl jeder ausgebildete Angler in Deutschland durch den Vorbereitungskurs inkl. staatlicher Fischereiprüfung mit reichlich Fachwissen gesegnet sein sollte, bevor er den Fischen nachstellen darf, bekomme ich bei diesem Vorschlag Bauchschmerzen.

Anbei möchte ich ein paar Begriffe zur Materie näher beleuchten:

Respektvoller Umgang

Zweifelsohne ist es ein tolles Erlebnis, einen großen Fisch zu haken und zu landen. Doch solch einen "kapitalen" Fisch als reinen Drillspaß zu betrachten, nimmt diesem Geschöpf die Würde und degradiert es zum Objekt, ja wortwörtlich zum menschlichen Spielball.

Sportfischen

Meiner Meinung nach sollte dieser Begriff aus unserem Vokabular und den Vereinsnamen gestrichen werden. Es geht beim Angeln nicht um Sportlichkeit, Höchstleistungen, Wettkampf, unsere Vorlieben, das eigene Ego oder Erfolge/Niederlagen!
DAnglerglück ist unabhängig vom Angelerfolg!
Die Zeit am Wasser sollte uns Menschen gut tun, uns entschleunigen, dabei helfen, zur Ruhe zu kommen- ja, sie sollte uns entspannen und Freude bereiten.

Warum angeln? Warum gehen wir eigentlich zum Angeln?
Argumente hierfür sind für mich persönlich das Erleben von Natur, Erholung und nicht zu vergessen das gute alte Jagdfieber. Auch erlebe ich persönlich immer wieder die Stille als Wohltat für Körper und Geist. Der Hauptbeweggrund, weshalb ich fische, ist jedoch ganz schlicht und einfach die Bratpfanne ;-)

Gesetzeslage

Den Begriff "Catch&Release" finden wir in keinem deutschen Gesetz. Dieser schwappte vor Jahren aus den USA zu uns rüber. Das reine "Spassfischen"- also "Catch&Release" ist meines Erachtens mit unserem Tierschutzgesetz nicht vereinbar.  

Darin steht u. a. im…

§ 1 TierSchG:

"Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen."

§ 17 TierSchG:

"Es wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder 
2. einem Wirbeltier 
a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder 
b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt." Ein besonderer Stellenwert ist hierbei den Worten "ohne vernünftigen Grund" beizumessen!
Doch was ist darunter zu verstehen? 
Für mich gibt es nach reiflicher Überlegung nur drei "vernünftige" Gründe die den Fischfang rechtfertigen:
- zum Verzehr für Mensch und Tier;
- zur Hege (Fischbestände);
- zur Pflege der Gewässer (z.B. Bestandsaufnahme).

Schmerzempfinden

Weltweit gibt es widersprüchliche wissenschaftliche Abhandlungen zum Schmerzempfinden der Fische. Dadurch muss davon ausgegangen werden, dass Fische ein undefiniertes, jedoch vorhandenes Schmerzempfinden besitzen. Es macht dem Fisch mit Sicherheit wenig Freude mit einem Haken im Maul gegen seinen Willen aus seinem Lebensraum gezogen zu werden, um anschließend zusammen mit seinem stolzen "Bezwinger" auf einem Trophäenfoto zu landen.

Stress
Auch zum Stressempfinden können keine konkreten, wissenschaftlich bestätigten Zahlen ins Feld geführt werden. Doch man muss auch hier davon ausgehen, dass das Drillen und Landen eines Fisches für diesen eine Stresssituation darstellt. Durch das Releasen sind Fische möglicherweise auch wiederkehrendem Fangstress ausgesetzt.

Verletzungen
Aufgrund der Beschaffenheit des Fischmauls kann es bei häufigeren Drills zu groben Verletzungen des Fischmauls kommen. Jedoch muss auch erwähnt werden, dass es sich hierbei um ein Problem handelt, das auch bei einem erstmals gefangenen Fisch ("Aussteiger" während des Drills) auftreten kann.

Reproduktion

Ein Schlagwort, welches häufig und gern von Befürwortern des "Catch& Release" in Insider-Gesprächen Verwendung findet. Große und alte Fischen seien zumeist gesunde Fische. Wenn solche Laichfische ihre Gene weitervererben, steige die Qualität der Fische im jeweiligen Gewässer. Weiter werde durch das jährliche Ablaichen auch noch eine hohe Fischdichte erzielt, was alle Angler erfreue. Darüber hinaus stellt die angebliche Reproduktion für viele Angelkollegen eine finanzielle Entlastung der Angelvereine dar.

An dieser Stelle sei es mir gestattet, eine Frage zu stellen:

Habt ihr jemals kleinen Karpfen (K1) gefangen oder beim Abfischen eines größeren Sees (nicht Zuchtteich) vorgefunden? Ich nicht. Deshalb gehe ich davon aus, dass sich bestimmte Fische (z.B. der Karpfen) in Deutschland nicht selbst nachhaltig reproduzieren können.

Angeln - Erzieherische Bedeutung

Angeln ist ein faszinierendes und spannendes Hobby, welches nicht nur Körper und Geist gut tut, bestenfalls die Bäuche füllt und uns Menschen der Natur näher bringt. Es gibt wohl kaum eine vergleichbare Freizeit-beschäftigung, womit man das Interesse der Kinder an der Natur wecken kann.

Das Angeln ermöglicht uns, ein gesundes Naturverständnis an die Kleinen weiterzugeben und ihnen die Verantwortung gegenüber der Schöpfung mit all ihren Lebewesen zu vermitteln. Nicht nur Kinder und Jugendliche wissen heutzutage oftmals nicht mehr, woher unsere Nahrungsmittel kommen. Wenn man Fisch/Fleisch essen will, geht man in den Supermarkt und kauft die gewünschte Portion, welche schön sauber abgepackt und vakuumiert im Kühlregal bereits auf uns wartet.

Wir können Abhilfe schaffen, indem wir mit dem Nachwuchs an die Gewässer rausgehen und den "Sonntagsbraten" wieder selbst fangen. Natürlich aufgewachsener Fisch stellt obendrein eine sinnvolle und gesunde Ergänzung unseres Speiseplans dar. Nicht zu vergessen ist die Massentierhaltung, derer wir uns dadurch auch ein Stück weit entsagen können! Das Angeln ist eine Naturerfahrung, wobei der Mensch wieder im Einklang mit der Natur leben kann und dabei als "Jäger" zu seinen Wurzeln zurückkehrt.

Obendrein haben wir Angler doch wesentlich mehr Spaß beim Fischen als beim Einkaufen, oder etwa nicht? Zum Schluss möchte Euch einladen, Eure Meinung zu "Catch & Release" in die Kommentare des zugehörigen Beitrags unter "Recht oder Schlecht" zu schreiben.

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Fotos: Pixelio.de
Bild1 (Vater/Sohn) - BirgitH
Bild2 (Ufersteg) - D.Braun
Bild3 (Spule) - Tin Jäger
Bild4 (Kescher) - Rei Ucker

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