Natur erleben: Mit dem Boot auf der Lahn

Kategorie: NATUR
Erstellt am Sonntag, 17. April 2016 Geschrieben von Heiko Halbauer

Schon zur Zeit des Römischen Reichs spielte die Lahn eine wichtige Rolle als Handels- und Transportweg. 1593 bis 1599 ließ Johann VI. von Nassau-Dillenburg an der unteren Lahn bis Diez Leinpfade für Pferde anlegen. 1606 wurde die Lahn erstmals für die Schifffahrt im kleineren Umfang vertieft. Vier bis fünf Monate im Jahr war der Fluss im Unterlauf schiffbar.Allerdings gab es zahlreiche Mühlenwehre mit nur schmalen Lücken, sodass der Verkehr auf kleine Boote beschränkt blieb.

1740 begann Kurtrier mit Bauarbeiten, die die Lahnmündung für größere Schiffe befahrbar machten. Im Winter 1753/54 wurden auf der gesamten Flusslänge Uferbefestigungen mit Treidelpfaden (die Schiffe wurden vom Ufer aus mit langen Seilen von Pferden gezogen) angelegt. Danach war der Fluss für Schiffe mit bis zu 240 Zentner Ladung (Erze, Steine) lahnabwärts und mit bis zu 160 Zentner lahnaufwärts befahrbar. Tiere und Pflanzen haben sich in dieser langen Zeit der Wasserstraße Lahn mit ihren Schleusen und Wehren bestens angepasst.

Es ist ein besonders schönes Erlebnis mit dem Boot, vom Wasser aus die Natur in Ihrer Vielfalt zu erkunden und zu erleben. Das ist Natur pur - so wie es Skipper lieben und mögen.

Enten und Schwäne trifft man überall, an und auf der Lahn. Seit ein paar Jahren haben Nilgänse die Lahn für sich entdeckt und verdrängen heimische Wasservögel, wie die Stockenten. Immer häufiger sieht man an geschützten, sonnigen Plätzen entlang der gesamten Lahn Schildkröten, die sich auf im Wasser liegenden Stämmen sonnen. Sicher wurden die Tiere irgendwann von Terrarienbesitzern ausgesetzt und leben hier gut und gerne schon seit vielen Jahren. Ein Indiz für die gute Wasserqualität der Lahn.

Wer die Lahn mit dem Boot bereist und einen Blick unter die Sträucher riskiert, der entdeckt die scheuen, grünfüßigen Teichhühner und das bekannte, weniger ängstliche Blesshuhn, das seinen Namen von dem weißen Stich auf der Stirn, über dem Schnabel hat. Da, wo Ufer nicht betreten werden und Vögel bei ihrem Brutgeschäft nicht unnötig gestört werden, nisten in den Büschen, im Schilf und anderem Röhricht eine Vielzahl seltener Vögel, z. B. der seltene Schilfrohrsänger, Zaunkönig und die Wasseramsel. Die Vögel wissen ganz genau, dass von den Schiffen und Sportbooten keine Gefahr droht. Ohne jede Scheu machen Bachstelzen, Tauben und andere Kleinvögel es sich manchmal an Bord gemütlich und fahren ein Stück des Weges mit. Es ist schon mehrmals vorgekommen, dass Bachstelzen, Blau- und Kohlmeisen ihr Nest auf einem Boot einrichteten. Was macht ein naturliebender Skipper? Er lässt sein Boot im Hafen, bis der Vogelnachwuchs ausgeflogen ist.

Nester von Bachstelzen und Rotkehlchen findet man regelmäßig in den oberen Grifflöchern der Schleusenleitern. Die Vögel lassen sich durch die schleusenden Boote und das teils laute einlaufende Wasser nicht stören. So kann man vom Boot, aus nächster Nähe, die Vogeleltern dabei beobachten, wie sie ihre Jungen füttern.

Wer schon einmal am Börnchen (Oberwasser der Schleuse Scheidt) übernachtet hat, der wird im Frühling und Sommer, pünktlich nachts um drei Uhr von einem vielstimmigen Vogelkonzert geweckt, das bis zum Sonnenaufgang für eine unbeschreiblich schöne Stimmung sorgt. Fenster und Türen auf und einfach hinhören! In der beginnenden Morgendämmerung, wenn das Gezwitscher etwas nachgelassen hat und man fast schon wieder in seiner kuscheligen Koje eingeschlafen ist, hört man an Deck ein feines Tibbeln: Tibb, tabb, tipp .... Bachstelzen und andere Vögel sammeln die Mücken und Eintagsfliegen der vergangenen Nacht vom Dach.

Nicht selten begegnet man Eisvögeln an der Lahn, die durch ihr strahlend blaues Gefieder sofort ins Auge springen, sofern man einen schnellen Blick hat. Die Vögel sind schnell wie ein Pfeil. Wenn man an einem Steg, mitten in der Natur festliegt und sich an Bord ruhig verhält, kann es durchaus sein, dass sich einer dieser prächtigen Vögel auf die Festmacherleine oder Reling setzt, um von dort aus auf kleine Fische zu jagen.

Fische gibt es in der Lahn jede Menge. Vom Boot aus kann man manchmal Rotaugen, Äschen, Hechte, Welse, Barsche, Brassen, Elritzen, Schneider, Döbel, Zander, Aale und andere Fischarten im meist klaren Wasser beobachten. Die "Vegetarier" unter den Fischen kreisen morgens und abends im Schwarm hungrig um das Boot, um ein paar Krümel Weißbrot vom Frühstücks- oder Abendbrottisch zu erhaschen. Die schlauen Fische wissen sehr wohl, dass da wo Boote liegen, man immer einen kleinen Leckerbissen für sie übrig hat.

In der Lahn leben zahlreiche, bis zu zwei Meter lange Welse. Ihr großer Appetit verschlingt alles, was vor ihr großes Maul kommt. Das können auch schon mal ausgewachsene Enten und junge Schwäne sein. Gerade junge Wasservögel stehen auf der Speisekarte der Welse ganz oben. Keine Angst: an Badegäste hat sich noch kein Wels herangetraut.

Natürlich ist das Wasser in der Lahn nicht immer kristallkar, wie im Winterhalbjahr. Wenn die Algenblüte im Hochsommer beginnt, färbt sich das Wasser braun. Also keine dreckige Brühe. Es sind natürliche Algen, die wiederum als Nahrungsquelle z. B. den Karpfen dienen. Stattliche Karpfen gibt es überall dort an der Lahn, wo es Bereiche mit nur ganz wenig Strömung gibt, so wie zwischen der Schleuse Cramberg und Scheid. Abends hört und sieht man wie Prachtexemplare von fast einem Meter Länge halb aus dem Wasser auftauchen, um mit einem lauten eleganten Platsch seitwärts wieder ins Wasser einzutauchen.

Die Wasserqualität der Lahn ist so gut wie nie. Ein Beweis dafür sind die vielen Flussmuscheln, die man fast überall findet sowie Flusskrebse, die es sich in den Höhlen der Uferbefestigung aus Basalt und Schiefer wohnlich gemacht haben und auf Beute warten. Diese beiden Arten können nur dort leben, wo das Wasser wirklich sauber ist.

Ein Beweis dafür, dass die Lahn einen großen Fischreichtum besitzt, belegen die zahlreichen und nimmersatten Kormorane und Graureiher. Zwei bei Fischern sehr unbeliebte Zeitgenossen. Kormorane jagen immer zu zweit. Sie treiben sich die Fische gegenseitig zu und ergreifen dann blitzschnell ihre Beute. Ein Kormoran frisst täglich bis zu 500 g Fische.

Wer im Lahntal den Blick nach oben richtet, entdeckt Habichte, Bussarde und Milane, die ihre Kreise über die bewaldeten Hänge und die ruhig dahin fließende Lahn ziehen. Ihre scharfen Augen beobachten die Wasseroberfläche sehr genau. Kommt ein Fisch ins Visier, gleiten sie lautlos heran und ergreifen ihre Beute. Manchmal sind die Fische so groß und schwer, dass sie es kaum schaffen ihre Beute aus dem Wasser zu ziehen, um sie dann mit ganzer Kraft hoch in die Lüfte zu ihrem Horst wegzutragen.

Die Bundeswasserstraße Lahn ist ein Eldorado für Naturliebhaber, besonders mit Boot. Nur vom Boot aus erlebt man die einzigartige Tierwelt in und an der Lahn so hautnah. Deshalb gilt es die Lahn im heutigen guten Zustand als Bundeswasserstraße und Fahrtenrevier für die Schifffahrt zu erhalten und vor unsinnigen Eingriffen durch Menschenhand zu bewahren.

Infos: http://www.prolahn.de

Quelle: OpenPR.de
Foto: PROLAHN e. V.

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